Volkswagen verharrt in der Absatzkrise, doch die Zahlen zeigen auch, wo sich gezielter Service- und Kommunikationsbedarf im After Sales ableiten lässt. Für Werkstätten und Autohäuser ist das ein wichtiger Hinweis: Nicht jede Marke entwickelt sich gleich, und genau darin liegen Chancen für Kundenzentrierung, maßgeschneiderte Kommunikation und qualitatives Wachstum.

Der Volkswagen-Konzern kämpft weiter mit schwachen Auslieferungen, vor allem in China, während einzelne Marken und Regionen bereits wieder zulegen. Für den After Sales ist das relevant, weil sich aus solchen Marktbewegungen konkrete Servicewahrscheinlichkeiten und Kontaktanlässe ableiten lassen. Der Artikel ordnet die Entwicklung ein, zeigt die Unterschiede zwischen den Marken und macht deutlich, warum datenbasierte Ansprache im Tagesgeschäft an Bedeutung gewinnt.

Marktentwicklung lesen – und Serviceanlässe daraus ableiten

Im zweiten Quartal sank die Zahl der weltweiten Auslieferungen des Volkswagen-Konzerns um fast 9 Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Volkswagen selbst aus: Die Kernmarke kam auf 1,02 Millionen Fahrzeuge, ein Minus von 14 Prozent. Auch Audi lag mit 367.139 Auslieferungen um 8,2 Prozent unter Vorjahr und setzte den Abwärtstrend fort. Porsche meldete bereits im ersten Halbjahr ein Minus von 16 Prozent, im zweiten Quartal sogar 18 Prozent. Gleichzeitig entwickelten sich einzelne Bereiche stabiler: Škoda legte um 4,8 Prozent auf 283.800 Einheiten zu, VW Nutzfahrzeuge um 4,7 Prozent.

Für Werkstätten ist diese Spreizung wichtig. Denn dort, wo der Fahrzeugbestand wächst oder stabil bleibt, entstehen planbare Werkstattkontakte, Inspektionsbedarfe und Potenziale für den Zubehörverkauf. Wo ein Modell wie der Audi Q3 oder der Audi A6 e-tron in Westeuropa besonders gefragt ist, lassen sich Serviceimpulse gezielt an Laufleistung, Saison und Nutzungsprofil ausrichten. Genau hier setzt Predictive Marketing an: Gemeint ist die Auswertung vorhandener Daten, um Servicewahrscheinlichkeiten und Kaufwahrscheinlichkeiten besser einzuschätzen und Kunden im richtigen Moment anzusprechen.

Auch der Auftragseingang liefert Hinweise. In Westeuropa lagen die Bestellungen bei Audi 7 Prozent über Vorjahr, bei den E-Autos des Konzerns europaweit sogar knapp 6 Prozent. Für den After Sales heißt das: Wer früh erkennt, welche Antriebsarten und Modelle zulegen, kann Kommunikation, Ersatzmobilität und Zubehörangebote präziser planen. Das gilt besonders dann, wenn datenbasierte Auslöser wie ein Besuchsintervall, ein bevorstehender Radwechsel oder ein Saisonwechsel als Anlass für einen Servicekontakt genutzt werden.

China-Schwäche, Europa-Plus: Was Betriebe jetzt daraus lernen können

Die Lage in China belastet den Konzern deutlich. Dort brachen die Verkäufe um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge ein. Gleichzeitig konnte der Konzern in Nordamerika um fast 8 Prozent auf 242.000 Auslieferungen zulegen und in Westeuropa knapp 2 Prozent auf gut 900.000 Fahrzeuge. Diese Unterschiede zeigen: Eine einheitliche Kommunikationslogik reicht nicht aus. Kundenzentrierung bedeutet, regionale Entwicklung, Modellmix und Nachfrageverhalten zusammenzudenken.

Im Werkstattalltag lässt sich daraus ein klarer Anspruch ableiten: Wer Kundenloyalität stärken will, sollte nicht pauschal informieren, sondern maßgeschneiderte Kommunikation einsetzen. Ein Kunde mit wachsendem E-Auto-Anteil braucht andere Hinweise als ein Flottenkunde im Nutzfahrzeugbereich. Ein Betrieb, der diese Unterschiede systematisch in seine Prozesse integriert, handelt nicht reaktiv, sondern baut qualitatives Wachstum auf. Das betrifft nicht nur die Werkstattannahme, sondern auch Aktionen rund um Zubehörverkauf, Wartungspakete und proaktive Serviceerinnerungen.

Fazit

Die aktuellen Zahlen des Volkswagen-Konzerns zeigen vor allem eines: Märkte und Marken entwickeln sich unterschiedlich, und genau daraus entstehen im After Sales konkrete Chancen. Wer Kundenbindung nicht dem Zufall überlassen will, braucht eine klare Struktur für Kontaktanlässe, Servicewahrscheinlichkeiten und passende Inhalte. Machen Sie Kundenzentrierung zum festen Bestandteil Ihrer Serviceprozesse.

Quelle: Kfz-Betrieb