Im Gebrauchtwagengeschäft wird viel über Preise, Nachfrage und Vertrieb gesprochen. Deutlich seltener wird jedoch über den Faktor diskutiert, der heute zunehmend über Erfolg oder Misserfolg entscheidet: Zeit.

In vielen Autohäusern liegen Fahrzeuge inzwischen zwischen 15 und 40 Tagen, bevor sie vollständig verkaufsfähig online sind. Diese Standzeiten entstehen nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus gewachsenen Abläufen: verzögerter Intake, fragmentierte Aufbereitung, Wartezeiten zwischen Standorten und fehlende Synchronisation zwischen Werkstatt, Aufbereitung und Vermarktung.

Jeder zusätzliche Tag wirkt wie ein stiller Margenabzug. Zinskosten, Wertverlust, sinkende Nachfragewahrscheinlichkeit und verpasste Marktfenster summieren sich – oft ohne klare Sichtbarkeit in der GuV. Genau das macht diese Verluste so gefährlich: Sie sind real, aber nicht offensichtlich.

Der Markt ist dabei nicht das Kernproblem. Nachfrage existiert weiterhin, auch international. Das eigentliche Thema ist, dass operative Strukturen vieler Autohäuser nicht für die heutige Geschwindigkeit des Marktes gebaut wurden.

Wer Standzeiten nur als logistische Größe betrachtet, übersieht ihre strategische Bedeutung. Zeit ist längst ein wirtschaftlicher Produktionsfaktor – und einer der teuersten.